Das Ende von 0 und 1: Keynote auf der BASTA! Spring

Auf der BASTA! Spring 2017 war ich eingeladen, die Eröffnungskeynote gemeinsam mit Manfred Steyer und Rainer Stropek zum Thema “Veränderung” zu halten. Mein Fokus lag auf den Neuigkeiten im User Interface: Von Bots bis HoloLens.

Software wird menschlicher

Wir Software-Entwickler sind an 0 oder 1 gewöhnt. Nicht so, wie sich mancher Hollywood-Regisseur das vorstellt: auch unsere Tastatur hat mehr als zwei Tasten und wir verwenden die meisten davon sogar regelmäßig. Aber wir arbeiten fast immer mit Sicherheiten und vergleichsweise selten mit Wahrscheinlichkeiten. Ein Button wird geklickt - oder nicht geklickt. Eine Person mit der ID 4711 ist vorhanden - oder nicht vorhanden. Es gibt nichts dazwischen.

In Zukunft wird Software menschlicher werden. Intelligente Software gibt passende Vorschläge, versteht und kennt den Benutzer, lernt aus der Vergangenheit. Intelligente Software wird nicht zwingend mit Maus und Tastatur gesteuert. Intelligente Software kennt kein schwarz/weiß.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Microsoft Cognitive Services. Diese REST-basierten Services geben Machine Learning-Algorithmen in die Hände jedes Software-Entwicklers. An der Grenze zwischen faszinierend und beunruhigend stehen Gesichtsvergleiche, Emotionstracking, Sprecher-Erkennung und vieles mehr zur Verfügung. Das Ergebnis ist mit einer Wahrscheinlichkeit behaftet: die abgebildete Person ist zu 23,7437 Prozent verärgert.

Bots

Bots waren das Thema der BUILD-Konferenz 2016: chatten mit Programmen. Die grafische Benutzeroberfläche wird ersetzt durch Kommunikationsplattformen wie Skype, Facebook, SMS oder Slack.

Wie würde man einen Bot mit dem üblichen Entwickler-Werkzeugkasten bauen? Mit if/else-Kaskaden? Mit Regular Expressions? Mit Sprach-Grammatiken, die in XML definiert werden?

Mit dem Bot Framework und dem Bot Builder SDK stellt Microsoft Werkzeuge zur Verfügung, um Bots entwickeln zu können. In Kombination mit den bereits erwähnten Cognitive Services und speziell dem Language Understanding Intelligent Service (LUIS) gibt es faszinierende Möglichkeiten, eine geschriebene Nachricht zu verstehen.

LUIS ermöglicht über ein Webportal die Eingabe beispielhafter Sätze, bei denen die wesentlichen Informationen markiert werden. Ein Bot, der über die aktuellen Vorträge auf einer Konferenz Auskunft gibt, muss somit die Uhrzeit und den Raum wissen - um dann die korrekte Antwort liefern zu können.

Anstatt die Regeln zum Erkennen des Satzes selbst zu implementieren, lernt LUIS auf Basis der Beispielsätze und kann bereits mit wenigen Daten erstaunlich hohe Erkennungsraten erzielen.

HoloLens

Auf der anderen Seite der User Interface-Trends befindet sich Microsoft HoloLens. Während Bots kein Augenmerk auf die grafische Oberfläche legen, so wird mit der HoloLens die ganze Welt zum Display.

Für uns Entwickler bringt das eine Reihe von Veränderungen mit, die für die meisten komplett neu sind: 3D-Modellierung, Animationen, 3D-Sound - um nur einige zu nennen. Auch Spracheingabe spielt wieder eine große Rolle, in den wenigsten Fällen hat ein HoloLens-Benutzer eine Tastatur in der Hand (mehr zum Thema HoloLens im Blog-Artikel von Daniel Sklenitzka).

Bleibt zum Schluss das Thema “Testen”: wenn wir jetzt Bugs erhalten, dass im Internet Explorer 7 ein Logo verrutscht ist - dann müssen wir uns in der HoloLens-Welt wohl auf Meldungen wie die untenstehende einstellen…

Es bleibt spannend. Und wir Entwickler müssen wach und interessiert bleiben - denn Veränderung ist mehr denn je Teil unseres Jobs.