Schön sprechen: Sprechtraining mit Franz Strasser

Wie stumm ist das stumme H tatsächlich? Wie erreiche ich, dass meine Zuhörer mir gerne zuhören? Und wie klingt eigentlich ein kleines abgedunkeltes A? Drei Abende stellten die Mitarbeiter der softaware gmbh Überlegungen zum Sprechen an und hatten erstaunliche Erkenntnisse.

Der Schauspieler und Sprechtrainer Franz Strasser zog uns mit seiner sonoren kräftigen Stimme gleich in den Bann, faszinierend schon das Zuhören: Lange Pausen zwischen den Sätzen, nicht unterbrochen mit Füllwörtern wie den üblichen „Ähms“ und „sozusagen“, schaffen hohe Aufmerksamkeit, langsames Sprechtempo stört den Zuhörer gar nicht.

Kleine Theorie des Sprechens

Sprechen bedeutet ein grundsätzliches „Sich öffnen“, Gedanken übersetzen sich in Muskelspannung und verlassen den Körper. Je klarer etwas gedacht wird, umso klarer und verständlicher wird es gesprochen.

Das eigentliche Ziel von Sprechen soll ja sein, dass dem Zuhörer etwas vermittelt werden soll. Je ausgewogener das Dreieck „Sprecher – Zuhörer – Inhalt“ ist, desto besser gelingt Kommunikation.

Die körperliche Dimension des Sprechens probierten wir anhand von kleinen Übungen, wie der Wahrnehmung des Atems und dem aufrechten Stand. Andere Aufgaben gingen auch schon mal an den Rand der Komfortzone, wie Sitzhöcker rollen und Schattenboxen. Dennoch konnten wir bei allen wahrnehmen, dass Sprechen ein Vorgang ist, der den ganzen Körper beansprucht.

Reminiszenz an die Volksschulzeit

Mit kleinen, oft skurrilen Übungssätzen trainierten wir unsere Aussprache und merkten schnell, dass richtiges Vorlesen gar nicht so einfach ist. Aufmerksamen VolksschulpädagogInnen ist es vermutlich geschuldet, dass wir es gewohnt sind, „dass“ kurz und „das“ lang zu sprechen (damit beim Schreiben kein s verloren geht), eigentlich sollen beide aber gleich klingen. Ähnliche Ursachen sind vermutlich beim stummen H zu suchen, es ist tatsächlich nicht zu hören, nicht mal bei „nahe“.

Wenn Sie möchten, sprechen Sie an dieser Stelle gerne folgende Sätze laut aus: „Der Bass des Grafen Balthasar klang gewaltig und stand dem des alten Adam niemals nach.“, oder „Reines Regenwasser rinnt durch die erprobte Vorrichtung in die Vitrine“. Sie werden vermutlich gleich erfahren, was wir erleben durften.

Finale Grande

Den überraschenden Abschluss der drei Seminarabende bildete die Ansage unseres Trainers, unvorbereitet eine freie Rede von ca. 2 Minuten zu halten: Mit Augenmerk darauf, gut präsent zu sein und gleichzeitig nicht zu viel nachzudenken. Die Spontanansprachen erreichten ein unheimlich breites Spektrum vom Design der Snooze-Funktion des iPhone, bis über den Anbau von Gemüse und Tieren bis zur perfekten Zusammenfassung von unserem Bernhard.

Abbildung

Danke allen TeilnehmerInnen fürs Einlassen auf dieses ungewohnte Thema und vor allem herzlichen Dank an Franz Strasser, der in uns allen viel neue Aufmerksamkeit für das Sprechen geweckt hat und uns sicher und erfahren drei Abende lang (Achtung Gutturalnasal-Laut NG) sehr gut dabei begleitet hat.